Ökonomie der Zeit

Shownotes

Am 26. September, also diesen Samstag, ist die große Demonstration des DGB gegen den Abbau des Sozialstaates. Anders ausgedrückt kämpfen die Gewerkschaften um die Zeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihnen genommen werden soll: Weniger Zeit zur Lebensplanung, weil die Merzregierung die Befristungen verlängern will; weniger Lebenszeit mit den Enkeln, weil die Rente später ausgezahlt werden soll. Und natürlich weniger Zeit mit Freunden und Kindern, weil die Tagesarbeitszeit verlängert werden soll. Kein Wunder also, dass wir ab dem 1. Oktober in Stuttgart auch eine Ausstellung zu den Sozialprotesten mit dem Titel #deineZeit haben werden. Denn am Ende ist alle Ökonomie eine Ökonomie der Zeit.

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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zum Arbeitswelt-Podcast, den Podcast des DGB Region Stuttgart.

00:00:07: Alle Ökonomie ist Ökonomie der Zeit!

00:00:11: Dieser Satz findet sich in den Manuskripten bzw.

00:00:14: in den Kundrissen von Marx als in den Vorarbeiten zum Kapital.

00:00:20: Dieses Zitat war Anlass genug für uns im Rahmen der anstehenden Sozialproteste zu sagen, wir widmen unsere Ausstellung zu den Sozialprotesten dieser Frage der Lebens- und Arbeitszeit.

00:00:38: Deine Zeit ist entsprechend und passend.

00:00:42: das Motto unter dem wir ab dem ersten Oktober dokumentieren was aktuell an Sozialprotest gegen die Märzregierung passiert aber natürlich auch näheren und weiteren Vergangenheit zu dem Thema bereits passiert ist.

00:00:58: Wir haben heute also zwei Themen einerseits natürlich die aktuellen Sozialproteste, und hier gleich zu Beginn statt einem Trivia heute.

00:01:08: einfach einmal ein Aufruf.

00:01:10: diesen Samstag zumindestens wenn ihr den Podcast pünktlich zum Erscheinen hört Also am sechsohnzwanzigsten neunten um elf Uhr fünfundfünfzig findet die Kohsekundgebung des DGBs Stadt hat verdient.

00:01:25: Deine Arbeit, deine Gesundheit, deine Rente.

00:01:29: Ein starker Sozialstaat ist die Grundlage für soziale Zusammenhalt, faire Chancen und eine stabile Demokratie.

00:01:34: Das ist das Motto Elfo-Fünfundfünfzig.

00:01:36: geht's los!

00:01:38: Und ich erwarte... Ich gehe davon aus einige von euch dort zu sehen natürlich in vielen anderen deutschen Städten.

00:01:46: wir wissen natürlich dass Arbeitswelt Radio ist ja global aufgestellt könnt ihr auch demonstrieren und wir hoffen dass einige Leute dort zusammenkommen.

00:01:57: Und ab nächsten Donnerstag dann die Vernissage hier im Haus in Willi Bleicher um achtzehn Uhr.

00:02:04: eben zu der Ausstellung Deine Zeit eine wachsende Ausstellung.

00:02:10: Wenn die geplanten Geform an der schwarz-roten Regierung Wirklichkeit werden, dann wird noch mehr deinerzeit umverteilt.

00:02:17: vier Jahre lang sonst du befristet angestellt werden können.

00:02:20: Zeit, die dir von deiner langfristigen Lebensplanung abgeht.

00:02:24: Du sollst mehr als acht Stunden am Tag arbeiten so dass dir jeden Tag noch mehr Zeit mit deinen Kindern und Freunden verloren geht.

00:02:31: Und du sollst später und weniger Rente bekommen.

00:02:33: Zeit am Lebensabend, die Dir genommen wird.

00:02:36: Wohin geht unsere Zeit eigentlich?

00:02:39: Wer profitiert davon wenn unsere Zeit verloren geht?

00:02:43: und wie bekommen wir unsere Zeit unter unserer Kontrolle?

00:02:46: In der Ausstellung Deine Zeit dokumentieren wir die Proteste gegen die Angriffe der Regierung und setzen uns mit befreundeten Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen mit der Frage auseinander, wer über unsere Zeit verfügt.

00:02:57: Und warum wir immer weniger davon haben sollen?

00:03:00: Eine Ausstellung des DGB Regions Stuttgart in Kooperation mit der RLS Baden-Württemberg kuratiert von Mia Peterschardt.

00:03:08: Künstlerin und Künstlern, die bereits zugesagt haben sich an dieser Ausstellung zu beteiligen sind.

00:03:14: Jean-Philipp Kindler.

00:03:17: Hier haben wir auch bereits einen Termin und zwar werden die beiden eine Live-Performance machen im Gewerkschaftshaus am achtundzwanzigsten Oktober, das ist ein Mittwoch um neunzig nur dreißig.

00:03:33: Die Veranstaltung ist kostenlos allerdings mit zwingend notwendiger Anmeldung.

00:03:37: ihr könnt euch über unsere Internetseite anmelden also www.dgb.de, mitmachen.

00:03:43: slash termin und action slash terminal slash.

00:03:45: nein schneller geht es.

00:03:47: wenn er dgb rich und stuttgart geht dann findet ihr das ganze schnell.

00:03:53: Und die veranstaltung hat den wunderschönen titel der tag an dem friedrich mertz mir meine zeit geklaut hat.

00:04:03: außerdem haben wir die künstlerin olga prader mit ihrem wunderschönen Kunstwerk aus dem Buch von Maro Verlag.

00:04:13: In der Ausstellung das ist das Auge, dass ihr ja auf den Werbelplakaten für die Ausstellung auf den Postkarten seht.

00:04:19: Alex Demirovich wird zum Thema Sprechen.

00:04:24: Fellow an der Rosa Luxemburg.

00:04:27: er hat allerdings noch keinen Termin gefunden.

00:04:30: Das wird sich aber die Tage ändern und dann werdet ihr das auch auf unserer Internetseite erfahren.

00:04:35: Suave hat einige Collagen gemacht zu dem Thema, und Krzysko Dorski hat uns Fotos geschickt und seine eigene Auseinandersetzung zum Thema Lebens- und Arbeitszeit auf Kundlage eines inzwischen verstorbenen Soziologen bleibt gespannt.

00:04:51: Und Essenza wird ein Konzert geben.

00:04:54: Auch hier sind wir noch in den letzten Vorbereitungen Und besonders freut mich, dass Wolfram Isele von das Werk Druckwerk Stuttgart uns einige der Trucke zur Verfügung gestellt hat.

00:05:06: Hier sind wir dann auch wirklich ganz eng bei unserem Thema nämlich wie sich Arbeitszeit verteilt.

00:05:14: und bevor wir hier auf die Ökonomie der Zeit im praktischen Sinne in den gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen gehen kurzer Blick an dieser Stelle zurück in die Kontresse von Marx um uns erstmal theoretisches Verständnis dieses dann vielleicht doch nicht so eingängigen Satzes zum verschaffen, nämlich dass alle Ökonomie eine Ökonomie der Zeit ist.

00:05:41: Jetzt gehen wir aber erst mal ins Intro.

00:05:58: Gast, es wird auch keine allzu lange Folge werden.

00:06:01: Aber wenn unsere Ausstellung schon deine Zeit heißt dann können wir uns natürlich mit Marx beschäftigen und sollten das auch tun.

00:06:11: der hat folgende Überlegung in den Kontrissen niedergeschrieben.

00:06:16: die möchte ich hier einfach einmal zum besten geben Gemeinschaftliche Produktion vorausgesetzt bleibt die zeitbestimmung natürlich wesentlich.

00:06:26: je weniger Zeit Die Gesellschaft bedarf, um Weizen, Vieh etc.

00:06:31: zu produzieren bis zur Mehrzeit gewinnt sie zu anderer Produktion materieller oder geistiger.

00:06:37: Wie bei einem einzelnen Individuum hängt die Allseitigkeit ihrer Entwicklung ihres Genusses und ihrer Tätigkeit von Zeitersparung ab?

00:06:45: Ökonomie der Zeit.

00:06:46: darin löst sich schließlich alle Ökonomie auf.

00:06:49: Ebenso muss die Gesellschaft ihre Zeit zweckmäßig einteilen um eine, ihren Gesamtbedürfnissen gemäße Produktion zu erzielen wie der Einzelne seine Zeit richtig einteilen muss und sich Kenntnis in angemessenen Proportionen zu erwerben oder um den verschiedenen Anforderungen an seine Tätigkeit genüge zu leisten.

00:07:09: Ökonomie der Zeit Sowohl.

00:07:11: die planmäßige Verteilung der Arbeitszeit auf die verschiedene Zweige der Produktion bleibt also erstes ökonomisches Gesetz auf Grundlage der gemeinschaftlichen Produktion.

00:07:21: Es wird sogar in viel höheren gerade gesetzt.

00:07:26: Was ich Marx hier also bezieht, was er noch mal da und klar stellt ist die Frage wieviel Zeit wir mit Arbeit verbringen?

00:07:38: Umgekehrt!

00:07:39: Wie viel Zeit wir haben um uns anderen Tätigkeiten zu widmen?

00:07:45: Das ist die zentrale ökonomische Frage Hier ein Stück weit einmal entwickelt an der Negativfolie einer gemeinschaftlichen Produktion.

00:07:56: Wir wissen, heute ist die Produktion eine Zwieschlechtige soll heißen.

00:08:01: Sie ist ja einerseits auch gemeinschaftlich in dem Sinne dass auch heute die riesigen Fabriken von Daimler Autos nicht etwa für die Eigentümer von Daiemler herstellen sondern natürlich für die Gesellschaft und den allgemeinen Bedarf an Autos.

00:08:22: Produktion ist auch in dem Sinne gesellschaftlich, dass da nicht einzelne Monaten vor sich arbeiten sondern eine enorme Arbeitsteilung stattfindet wo hunderttausende Menschen in diesen Werken und den Büros koordiniert zusammenarbeiten um diese Autos zu entwickeln und herzustellen zu transportieren und zu verkaufen.

00:08:46: Gleichzeitig ist die Produktion auch eine private findet sie nämlich überhaupt nicht statt für den gesellschaftlichen Bedürfnis von A nach B zu kommen, sondern nur dann und nur insofern wenn es sich für Daimler lohnt.

00:09:05: Wenn also der Wert oder etwas weniger begrifflich und mehr an die Oberfläche ausgedrückt.

00:09:14: Wenn es sich lohnt im Geld.

00:09:18: Die ganze Produktion findet also statt zum Zweck der privaten Bereicherung so sehr sie gleichzeitig auch immer gemeinschaftliche Produktion bleibt.

00:09:29: Wie verhält es sich nun in dieser besten aller Welten mit der Zeit?

00:09:34: Nun, es darf nicht überraschen dass wir es auch hier mit einer zwieschlechtigen Angelegenheit zu tun haben wenn man's von der Seite des Arbeiters betrachtet.

00:09:43: Der muss und will seine Arbeitskraft verkaufen geht zu Daimler und unterschreibt dort einen Vertrag, um im Gegenzug Geld zu bekommen.

00:09:56: Ein früher Sozialdemokrat nannte dieses Verhältnis einmal eines der antagonistischen Kooperationen.

00:10:04: Die Seite der Kooperation habe ich gerade mal angedeutet.

00:10:08: Sowohl hat Daimlar ein Interesse daran die entsprechende Arbeitsmannschaft für Geld zu finden, die ihr Autos herstellt Als auch der Arbeitnehmer ein Interesse daran hat, einen Arbeitgeber zu finden, der ihm für Geld ein paar Stunden am Tag beschäftigt.

00:10:27: So kommen die einen an das Geld was sie zum Leben brauchen und die anderen können die Arbeiter produktiv einsetzen um ihren Reichtum zu vermehren.

00:10:36: Nun bleibt es allerdings nicht bei der Kooperation sondern bekannter Nahtmaßen gibt es auch einen Antagundismus einen Widerspruch.

00:10:45: Während nämlich die Arbeiter in die Fabrik gehen, um von dieser Arbeit zu leben hat die Arbeit objektiv eine ganz andere Bestimmung als dass man von dem Lohn Leben können kann.

00:10:57: Der Lohn hat vielmehr die Bestimmung das er sich lohnen muss und zwar nicht für den der arbeitet sondern für den arbeiten lässt.

00:11:04: Insofern ist das was die Arbeiter erkämpfen können oder anders ausgedrückt es notwendig permanent zu kämpfen um überhaupt ein Lohn zu bekommen.

00:11:19: Ja, was eigentlich von dem man leben kann?

00:11:22: Wir werden im weiteren Verlauf sehen.

00:11:24: so simpel ist es gar nicht!

00:11:25: Man muss zwar kämpfen um jede Lohneerhöhung aber davon Leben zu können ist etwas ganz anderes.

00:11:33: Schauen wir uns das an... Was bedeutet es dass die Arbeit hier stattfindet als private Bereicherung von demjenigen, der sie einrichtet und nicht von denjenigen der arbeiten geht.

00:11:46: Und was soll die merkwürdige Formulierung heißen?

00:11:49: Dass der Lohn nicht zum Leben reicht?

00:11:53: Es ist erstmal ganz simpel gemeint und jeder weiß es auch dass man vom Lohn Nicht leben kann das es ganze Lebensphasen gibt Kindheit Jugend in der man kein Geld verdient indem man also darauf angewiesen ist von eines anderen Lohn zu leben oder von staatlichen Geldern wie dem Elterngeld, wie den Kindergeld.

00:12:18: Aber damit hört das Ganze ja überhaupt nicht auf.

00:12:21: Wenn man krank ist bekommt man ebenfalls keine Lohn.

00:12:26: aber auch da hat man Ausgaben meistens sogar je nach Krankheit noch viel mehr als in gesunden Zeiten.

00:12:33: Von welchen Geld lebt man da?

00:12:34: Von der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall also auch hier wieder einer Zwangskasse, wie das dann heißt oder anders ausgedrückt der Krankenversicherung.

00:12:47: Und damit noch einmal nicht genug.

00:12:50: auch Zeiten der Arbeitslosigkeit gehören zum normalen Leben eines Lohnarbeiters dazu, wie jeder weiß und auch hier versagt der Lohn einmal mehr als Lebensmittel.

00:13:02: man hat ihn nicht.

00:13:03: aber auch in der Arbeitslosigkeit haben die meisten Leute die schlechte Angewohnheit zu wohnen und zu essen.

00:13:10: ein Viertepunkt mag auch jedem bekannt erscheinen, die Rente.

00:13:16: Auch die heißt gar nichts anderes.

00:13:19: zuerst einmal dass es eine Zeit im Leben gibt wo man nicht mehr arbeiten kann aber auch hier hören die Bedürfnisse einfach nicht auf.

00:13:29: Im Zweifelsfall gilt auch hier das mehr Medikamente Mehr Gebrauchsgegenstände die dem Alter angefordert sind.

00:13:38: Schluss und kurz dass auch hier eigentlich ein Mehr an Bedarf ist, wo die Mittel besonders gering sind.

00:13:47: Diese vier Lebensabschnitte Arbeitslosigkeit Rente Jugend und Kindheit Krankheit Die sind Hinweise darauf das einen Lohn überhaupt nicht dazu taugt ein Leben von ihm zu bestreiten.

00:14:08: Wie allerdings kann es dann sein, dass eine ganze Klasse von nichts lebt als der Arbeit.

00:14:15: Hier tritt in frühen Zeiten die Gewerkschaft ins Bild, die organisierte Verteilungen innerhalb der Klasse

00:14:27: d.h.,

00:14:28: die frühe Varianten von Arbeitslosengeld und Krankengeld liefen über das Gewerbschaftsbüro.

00:14:34: Wer Mitglied war?

00:14:35: der Gewerksamter schickte seine Verwandten wenn er krank oder arbeitslos wurde Und in den Zeiten, in denen er arbeitete, drückte er entsprechend seinen Teil an die Gewerkschaft ab um diese Umverteilungskassen zu organisieren.

00:14:52: So organisierte sich die Klasse mehr schlecht als rechtsselbst, um die entsprechenden Phasen der Nicht-Arbeitsfähigkeit für sich zu überbrücken.

00:15:06: Spätestens, achtzehn und siebzig kam das an sein gerechtes Ende Bismarck mit den Sozialistengesetzen, die Sozialdemokratie und alle Organisationen verbot.

00:15:19: Die sozialistische, sozialdemokratische oder kommunistischen Umtrieben verdächtig wurden – oder diese auch tatsächlich betrieben.

00:15:29: Den Ausgang der Sozialistengesetze wird es übrigens auch bei unserer Ausstellung geben.

00:15:35: Da könnt ihr euch das Ganze nochmal anschauen!

00:15:41: Das ist allerdings nicht die einzige Maßnahme, die hier staatlicherweise betrieben wurde.

00:15:46: Sondern es wurde auch staatlicher Weise übernommen, dass die ersten Sozialgesetzgebungen erlassen wurden.

00:15:55: Es darf nicht überraschen, dass ab dem Moment wo man die sozialistischen Organisationen als Staatweintliche verboten hat an ihnen durchaus etwas zu schätzen wusste nämlich das sie die Reproduktion der ganzen Klasse, auf die der Kapitalismus noch einmal angewiesen ist und ihre Arbeit produktiv zu nutzen.

00:16:16: Dass das Überleben dieser Klasse bisher von denen organisiert wurde, die von diesem Staat nicht zielten?

00:16:22: So übernahm man das selbst und konnte sich so ans Revier heften jetzt selbst dafür zu sorgen dass die Arbeiter auch am nächsten Tag zur Arbeit antreten konnten wenn sie zuvor eine Krankheit oder ähnliches erlebt hatten.

00:16:39: Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung, die eng verzahnt ist mit dem Entstehen des modernen Sozialstaats eben weil das ist die bleibende Grundlage sowohl des Sozialstaates als auch der Gewerkschaften.

00:16:57: Der lohnt sich an etwas anderem bemisst als der Möglichkeit durch und mit ihm leben zu können.

00:17:05: alle Ökonomie ist Ökonomie der Zeit gilt eben noch heute und ich erinnere an die Einladung zu unserer Ausstellung, die daran erinnert was jetzt von der schwarz-roten Regierung angestrebt wird.

00:17:22: Und teilweise auch schon durchgesetzt wird nämlich ein Programm zum Abbau dieser immer weiter ausgebauten sozialen Gesetzeslagen, welche die dauerhafte Nutzung der arbeitenden Bevölkerung als Material zum Vorankommen dieser Nation gewährleisten sollte.

00:17:53: Was heißt das konkret?

00:17:54: Wenn wir reingehen in die Vorschläge, die gemacht werden bzw.

00:17:59: in die bereits verabschiedeten Vorschlage dann haben wir eine Verlängerung der sachgrundlosen Befristung.

00:18:08: Das heißt, Lebensplanungen wird ein Stück weit noch mehr für unmöglicht weil man jetzt nicht nur zwei sondern bis zu vier Jahre ohne Grund befristet werden kann immer im Umklaren ob man nach Ablauf des Vertrages der zwischen drei und länger Monaten ausgestellt werden kann ja einem umklaren lässt ob man danach noch Arbeit hat oder nicht.

00:18:37: Außerdem soll natürlich der acht-Stunden-Tag angegriffen werden und so geht noch mehr Zeit mit Kindern und Freunden verloren.

00:18:47: Eine der großen Angriffe kam nicht nur von der Regierung, sondern auch von Mercedes – die haben nämlich angekündigt dass sie die fünfunddreißig Stundenwoche ganz unpassend finden zu diesen modernen Zeiten Sieben Wochen Arbeitskampf plus Aussperrung und Gerichtsprozess.

00:19:09: Das war der Streik für die thirty-fünf Stunden Woche, eine der härtesten in der Geschichte der IG Metall am Ende erfolgreich.

00:19:17: Und zwar im Jahre nineteen vierund achtzig.

00:19:19: Hierauf werden wir nochmal einen gesonderten Blick werfen in der Ausstellung.

00:19:25: deswegen auch hier zu einer Ökonomie der Zeit.

00:19:27: ein ganz kurzer Hinweis wie die Gewerkschaft mit fast sieben Wochen Streik erkämpft hat, dass die Arbeitszeit sukzessive von vierzig auf fünfunddreißig Stunden gesenkt wird.

00:19:42: Ökonomie der Zeit bedeutet hier nicht nur das jeder einzelne weniger arbeiten muss sondern auch, dass durch die geringere Arbeitszeit – das aber damit gar nicht sinkend der Arbeitsvolumina mehr Menschen eingestellt werden mussten.

00:19:58: eine der großen Argumente der Gewerkschaft damals also Arbeit schaffen für die Erwerbslosen.

00:20:04: Wir arbeiten weniger, für den Kumpel der aktuell keine Arbeit hat.

00:20:10: Damals wie heute, die schwarz-gelbe Bundesregierung – heute die Schwarzrote ist natürlich gegen Arbeitszeitkürzungen.

00:20:22: Heute stehen sie auch gar nicht zu Gebote.

00:20:25: Es steht umgekehrt an, die erkämpfte Arbeitszeitverkürzung wieder rückabzuwickeln und auch die Medien sind natürlich in ihrer öffentlichen Berichterstattung, in weiten Teilen klar auf der Seite der Arbeitgeber.

00:20:41: Den Stadtschuss damals gab der Streik am vierzehnten Mai, im Tarifgebiet Nordwürttemberg-Nordbaden eine Woche später.

00:20:54: Damals sind an den ersten Tagen siebenundfünfzigtausend Beschäftigte, dreiundzwanzig Betrieben in den Streitgeträgen haben die Arbeit niedergelegt und sich von den Werkstouren versammelt.

00:21:08: Darauf gab es verschiedene Reaktionen der Arbeitgeber, unter anderem haben diese eine halbe Million Beschäftigte ausgesperrt Das heißt sie setzten Beschäftigten ohne Lohn für die Tür zu.

00:21:23: erst hundert fünfundfünfzigtausend in denen nun kämpften Tarifgebieten Nordwürttemberg, Nordbaden und Hessen da wo die IG Metall Streitgeld zahlt dann auch beschäftigt er außerhalb des Kampfgebietes, obwohl diese kalte Aussperrung jugistisch etwas umschritten war.

00:21:39: Streik sorgt für Produktionsausfälle und so heißt es in der offiziellen Begründung bald stehen also eine halbe Million ausgesperrt vor den Touren zehnmal so viele wie Streiken.

00:21:53: die Idee der Arbeitgeber in den belegschaften Stimmung gegen den Streik aufbauen und gleichzeitig die Gewerkschaft vor die Möglichkeit zu stellen, Streitgeld auszuzahlen.

00:22:06: Aber natürlich für so viele Menschen das die Igemetall innerhalb weniger Tage ausgeblutet wäre.

00:22:13: Die Arbeitgeber wollten die Igemetalle kaputt machen Und der Franke hat ihnen geholfen Sagt in einem Artikel der Ige-Metall.

00:22:23: Ernst Trau damals Betriebsratsvorsitzender beim Autozuliefer war rot im badischen Gaggenau Heinrich Franke, Chef der Bundesanstalt für Arbeit.

00:22:40: Doppelt hat!

00:22:41: Die Rotler, die zum Tarifgebiet Südbaden gehörten, teilten sich ja Streiklokal in der Gagenauer Markohalle mit den Metallern und Metallern des Mercedes-Werks Gaggenau, das im Kampfgebiet Nordwürttemberg Baden gehörte.

00:22:52: Wir konnten zusehen wie die Bensler ihr Geld in die Hand gezählt bekamen, erzählte Raul.

00:22:57: Doch die Leute haben mir vertraut dass wir eine Lösung finden Und sie waren schick sauer auf den Franke.

00:23:02: Wie hatte der Franke?

00:23:05: Unternehmerseite unterstützt.

00:23:07: Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Heinrich Fanke verfügte um den Arbeitskampf zu vergützen gibt es kein Geld für die Ausgesperrten und das hat natürlich die Stimmung weiter angeheizt.

00:23:22: Überall in der Bundesrepublik gehen also Tausende gegen die Aussperrung auf die Straße.

00:23:26: am twenty-zwanzigsten Mai kommt eine Viertelmillion Menschen in drei tausend hundert Bussen und einundfünfzig Sonderzügen in die Bundeshauptstadt Bonn und demonstrieren dort einen strömenden Regen.

00:23:35: Die Rotler aus Gaggenau sind dabei.

00:23:38: In vielen Städten protestieren Ausgesperrte auch vor den Werkstrahlen, einige auch im Betrieb und vor den Arbeitsämtern.

00:23:43: Auch die Rotler marschieren zum Amt in GagGenau.

00:23:45: Sie haben schnell die Bürotüren zugeschlossen, dass wir die Treppe herauf kamen, erzählt Rau.

00:23:49: Der Chef des Arbeitsamts hat dann mit uns geredet und erklärt ich kann euch nichts zahlen.

00:23:54: Raus rund um die Uhr auf dem Beinen ebenso wie tausende andere Betriebsräte und Metallarzt.

00:23:58: Sie schreiben Flugblätter, Infopriefe, organisieren Aktionenverhandel mit Vermietern und Banken und verteilen Spenden Gewerkschaftslos.

00:24:05: ganz Europa zeigen sich solidarisch mit den kämpfenden Mitteilern.

00:24:09: Am XXI.

00:24:10: Juli übrigens wird dann auch ein Gerichtsurteil rechtskräftig, dass der Franke-Elas rechtswiesrig ist.

00:24:20: Das Arbeitsamt muss also Kurzarbeitergelde auszahlen und fünf Tage später kommt da noch die Einigung im Tarifkonflikt durch Schlichtung des ehemaligen Verteidigungsministers Georg Leber.

00:24:32: Was ist das Ergebnis bei Kürzung der Arbeitszeit auf thirty-neinhalb Stunden?

00:24:36: Dafür flexibler wir Arbeitszeiten.

00:24:39: Die vierzig Stundenmauer ist durchbrochen gegen alle Widerstände und bis nineteen fünfundneunzig sinkt die Arbeitszeit in der westdeutschen Metallindustrie schrittweise auf thirty-fünf Stunden ein Streik, das sich gelohnt hat.

00:24:53: Das also als kurzer Blick in die Geschichte zu Arbeitskämpfen um die Zeit Und den Möglichkeiten diese auch zu gewinnen.

00:25:06: Heute steht diese Debatte Man will fast sagen seltsamerweise überhaupt nicht mehr an.

00:25:13: Heute ist die Debatte, dass länger gearbeitet werden muss von der öffentlichen Betreuung der bürgerlichen Blätter bis hin zur schwarz-roten Bundesregierung.

00:25:27: Ob das so bleibt?

00:25:29: Das hängt auch daran inwiefern man sich selber aufmantelt über seine eigene Zeit vielleicht doch selber bestimmen zu wollen, sich also einmal zu erklären woher all das kommt was man selbst als Zumutung wahrnimmt und sich auch praktisch daraus eine Konsequenz zieht.

00:25:54: In diesem Sinne alle Ökonomies, Ökonomie der Zeit, XXI.

00:25:59: IX demonstrieren wir gegen den Angriff auf unsere Lebens- und Arbeitszeit und am ersten Oktober werden wir die Vernissage der Ausstellung feiern um achtzehn Uhr im Gewerkschaftshaus.

00:26:19: Ihr seid herzlich eingeladen, bis dahin Glück auf!

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