Erneuerung der Wirtschaft
Shownotes
Gerri Kannenberg kennt man; zumindest, wenn man regelmäßige Hörerin des Arbeitsweltpodcast' ist. Leider erst im Nachgespräch ist uns aufgefallen, dass der Kollege bereits zum dritten Mal zu Gast ist. Damit ist er der Mensch mit dem meisten Auftritten im Podcast. Heute geht es um die Erneuerung der Wirtschaft, und welche Industriepolitischen Vorschläge der DGB für Deutschlands Zukunft hat.
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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zum Arbeitswelt-Podcast, heute mit einem Gast.
00:00:04: Und wir sind bei mir im Büro wenn die Akustik wieder Verwunderung auslöst es gibt ja Leute, habe ich mir sagen lassen, Grüße an Nikki Die immer bei den Aufnahmen wissen wo sie aufgenommen werden alleine schonen wegen der Audioqualität.
00:00:21: Ansonsten fangen wir etwas anders an als sonst.
00:00:23: normalerweise bringe ich ein Trivia das kommt natürlich auch gleich.
00:00:25: aber erstmal möchte ich mich beim Gast entschuldigen.
00:00:29: Warum denn Peter?
00:00:31: Wir haben ein, wie ich finde, sehr gutes Gespräch geführt.
00:00:34: Eine halbe Stunde lang etwa und dann ist mir aufgefallen dass ich das Gespräch gar nicht aufgenommen habe sondern stattdessen eine alte Aufnahme lief.
00:00:43: deswegen war es so aus als würde da was passieren.
00:00:46: Ja schade Und deswegen treffen wir uns heute wieder.
00:00:49: halb zu schlimm.
00:00:51: Diesmal ziehen
00:00:52: wir's durch.
00:00:53: Das sieht auch gut aus unsere Stimmen haben einen Ausschlag.
00:00:55: Es scheint also aufzunehmen.
00:00:57: Gut, was habe ich uns als Trivia zum Thema heute mitgebracht?
00:01:01: Letztes Mal hat Geri schön mitgemacht wie man sich so einen Gast wünscht und gesagt oh das wusste ich nicht.
00:01:06: Spannend!
00:01:07: Das müsst ihr euch diesmal einfach im Hintergrund vorstellen als schönes Ambiente.
00:01:13: dazu was ich jetzt erzähle Es soll ja heute, dass habt ihr den Titel entnommen um Transformationen gehen, um Industriepolitik darum wie sich die Arbeitswelt verändert Und da kann man natürlich die ganz klassischen Beispiele bringen und jetzt von irgendwelchen Webstühlen erzählen, wie die eingesetzt wurden.
00:01:29: Was es dann an Gegenbewegungen ja auch gewerkschaftlicher Art gab.
00:01:33: Aber ich habe gedacht Ich nehme ein anderes Beispiel über was ich jüngstlich selbst gestolpert bin Über das ich noch nicht so viel weiß.
00:01:41: Wer also mehr Material hat immer gerne her damit Umwälzungen, die im Zuge der Schreibmaschine eingetreten sind.
00:01:49: Weil tatsächlich in den Unternehmen die Schreibarbeit eine hochqualifizierte Arbeit war und eine sehr männlich geprägte Arbeit.
00:01:58: das heißt geht davon aus dass dann zur Berufsbezeichnung wie Prokurist und sowas fallen da ja auch drunter.
00:02:05: also wo Kommunikation Rechnungswesen all das sozusagen zusammen gefallen ist Und durch die Schreibmaschine hat ein neuer Job sich bahn gebrochen, dass der Sekretär dessen hoch angesehene Stellung in der Gewerkschaft ist das ja auch noch übrig.
00:02:23: Wir sind ja die hoch angesehenen Gewerksamsekretäre.
00:02:27: Ich denke irgendwie gerade so am Amtsschreiber im Mittelalter.
00:02:31: Wenn natürlich wenige lesen können und man muss auch komplexe Sachen zusammenfassen, die ersten Zahlen notieren also es ist eine hohe Qualifikation für die Zeit.
00:02:41: Jetzt schreibst du den Wandel quasi.
00:02:43: Genau, der Wandel besteht dann darin dass man eine große D-Qualifizierungswelle dadurch gesetzt hat das gesagt wurde.
00:02:50: naja mit der Schreibtmaschine können wir da ja auch minderqualifizierte Leute heransetzen die das durchführen können und diese minder qualifizierten Leute die man dann gefunden hatte auf dem Arbeitsmarkt schön billig waren waren dann Frauen.
00:03:04: Und so ist der Beruf der Sekretärin nicht nur einer, die jetzt deutlich schlechter bezahlt ist als noch eine Generation vorher.
00:03:11: Sondern der auch eine Menge an zittlichen Prestige.
00:03:15: ich weiß nicht genau wie man den Begriff nennen soll.
00:03:17: also es hat auf jeden Fall eingebüßt auch an öffentlichem Ansehen natürlich was darunter läuft ne klassische Dequalifizierung die da stattgefunden hat.
00:03:26: Das nur am Anfang ist es eines von hunderten möglichen Beispiels zum Thema wie technische Innovationen, auch ökonomische Änderungen vielleicht nicht hervorgerufen aber begünstigt haben.
00:03:41: Wie Technische Innovation genutzt wurden für ökonomische Äänderung.
00:03:46: und in diesem Sinne starten wir in die heutige Sendung.
00:03:48: ich freue mich sehr dass mein Gast das nach dem Intro der fasse ich auf vorstellen.
00:03:55: Arbeitswelt Podcast,
00:03:56: ein Podcast der DigiBeering
00:03:57: und Stuttgart Redaktion und Schnitt Peter Schad.
00:04:03: Hallo Gary!
00:04:04: Schön dass du da bist.
00:04:05: Hallo Peter.
00:04:06: Wieder mal.
00:04:08: Wie bist Du denn?
00:04:11: Ich bin Gerik Annenberg und ich bin Abteilungsleiter für Klimaschutz Wirtschafts- und Industriepolitik
00:04:17: im
00:04:17: DGB Bezirk Baden-Württemberg.
00:04:20: Fokus hauptsächlich auf die Landespolitik deshalb.
00:04:23: Deshalb bist Du hier und deswegen reden wir auch über Landespolitik.
00:04:26: Anlass unseres Gespräches ist, dass du einen Input, einen Vortrag gehalten hast bei mir im Kreisverband Esslingen-Göppingen.
00:04:35: Der da sehr gut ankam und ich dann gesagt habe Mensch den willigem Arbeitsfeld Podcast.
00:04:39: jetzt hast Du viel mit Folien gearbeitet.
00:04:41: deswegen hat sie es nicht angeboten als einfach mitzuschneiden Und das hemmt ja auch immer Kolleginnen und Kollegen beim Nachfragen.
00:04:46: Deswegen haben wir gesagt Wir treffen uns nochmal.
00:04:49: Wer hätte gedacht, dass wir uns gleich zweimal treffen um das Ganze in einem Gespräch nachzuholen.
00:04:54: Von daher würde ich jetzt einfach mal sagen, du hast Material vor dir liegen, Feuer frei!
00:04:58: Ich interveniere soweit ich fragen.
00:05:01: Genau also womit fange ich immer an?
00:05:04: Ich fange immer damit an dass sich vor inzwischen knapp drei Jahren zum DGB kam als diese Abteilungsleitung für dieses weite Themenfeld.
00:05:13: und es war eine ganz spannende Zeit wenn man so wirtschaftlich betrachtet weil das war im Herbst liest man die Zeitung und jeden Tag gab es eine neue HOOPS-Botschaft, eine neue Stellenabbau-Meldung quer durch alle Branchen.
00:05:28: Es fing an mit sowas wie Michelin, die in Karlsruhe ein Reifenwerk zumachen wollen, in tausendfünfhundert Stellen.
00:05:35: Es ging dann weiter mit Stellenabbauankündigungen im Boschkonzern durch diverse Bereiche also nicht nur den Alten sondern auch den neuen Nicht nur das was rund um Einspritztechnik und Verbrenner saubere Verbrenner oder Verbesserung von Prozessen ging, sondern auch in allem was rund um Sensorik autonomes Fahren lief.
00:05:58: Also quer durch alle Bereiche sehr eindrücklich und auch in anderen Bereichen auch in andere Regionen nicht Region Stuttgart am Bodensee, Rolls-Royce ZF also Motorenbau oder auch ZF auch großer Automobilzulieferer.
00:06:12: Auch da nahm die Krise in der Zeitung den Anfang können man fast sagen Das hat uns seitdem eigentlich nicht losgelassen.
00:06:22: Das war der Anfang von dem, was wir inzwischen nicht nur als eine konjunkturelle Delle sehen sondern was sich zu einer verritablen Strukturkrise in der deutschen Industrie und in Baden-Württemberg speziell ausgehend vom Automobilsektor aber auch in anderen Bereichen inzwischen entwickelt hat.
00:06:42: Ich habe da lastes mal eingeworfen.
00:06:45: die Zahl, die da immer wieder rumgeist das wurde doch gleich gesagt dass ja Über die Stolpe hast du auch häufiger und dies eigentlich erst mal schwer zu fassen.
00:06:54: Man geht inzwischen davon aus, dass Zehntausend Arbeitsplätze, Industriearbeitsplätze pro Monat in Deutschland aktuell abgebaut werden.
00:07:05: Genau!
00:07:06: Die Zahl geistert, ich glaube auch seit zwei Jahren so circa rum habe ich das erste Mal gelesen.
00:07:11: Ich war erst sehr kritisch.
00:07:13: wenn so eine Zahl sehr plakativ und groß in den Raum geworfen wird, bin ich immer erst vorsichtig.
00:07:19: Und habe es dann auch recherchiert woher kommt sie?
00:07:23: Also ich hab den Ursprung zurückgeführt auf tatsächlich Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bei der Bundesagentur für Arbeit und der guckt dann einfach tatsächlich in die Zahlen.
00:07:33: also was sagen die Zahlen über die Industriebeschäftigung in Deutschland?
00:07:36: und dann lässt sich das so im Schnitt für die letzten Jahre tatsächlich sagen Auf Baden-Württemberg, also da habe ich es aktuell gerade in diesem Jahr.
00:07:45: Das sind das dann pro Monat, bis zum Jahrzehntag, Pro-Monat bis zum Jahrezehnte, Industriearbeitsplätze.
00:07:51: Jeden Monat die verloren gehen und das zeigt ja auch das weswegen wir uns damit so intensiv beschäftigen, warum ich viel aber auch wir Gewerkschaften viel über Industriepolitik reden weil dass ein paar Monate lang vielleicht noch okay ist und gestaltbar ist dann auf jeden Fall an die Substanz geht.
00:08:12: Aber genau, zehntausend bundesweit oder bei uns in Brandwürttemberg zweieinhalb tausend im Monat gehen wir uns da verloren.
00:08:20: Das ist also der Status quo.
00:08:23: Jetzt ist natürlich die Frage Was hast du noch an Zahlen mitgebracht dazu?
00:08:28: Genau, also erst mal ging es dann eine Weile so weiter und jetzt immer in der Situation ich glaube schon seit einem guten Jahr würde ich sagen wo viel über Krise geredet wird auch in der Politik Aber wo unser Meinung nach und das vertrete ich voll uns ganz, einfach auch die falschen Debatten gerade geführt werden.
00:08:54: Das falsche Debattenblatt fehlt!
00:08:56: Wo ist es hin?
00:08:57: Die
00:08:59: kurze Favierung in der Wiederholung... Gerade reden wir viel über Gespensterdebatten.
00:09:06: Das fing an mit sowas wie der Bürgergeld-Debatte, die wir alle noch gut im Kopf haben so als ob sich mit einer Scheinsparrunde im Bürgergeld eine neue Industrie erfinden lassen würde und wirklich viel Geld holen lassen würde.
00:09:21: Wissen war es nicht.
00:09:23: so kann man reformieren oder umbenennen aber das machte nicht den Turnaround.
00:09:28: Es ging dann weiter Debatte rund um Zahngesundheit und Zahnersatz.
00:09:34: Also als ob es keine Errungenschaft sei, dass man an die Herkunft den Wohlstand nicht mehr am Gebiss erkennt wie das in manchen Zeiten noch war sondern einfach anerkannte Wohlstand ist in unserem Land für jeden erreichbar.
00:09:49: Dass man gesunde Zähne hat und das begleitet uns jetzt schon eine ganze Weile bei der Arbeitszeit-Debatte So als ob die zehnte und die elfte Stunde am Tag unbedingt so produktiver wären, als die anderen acht.
00:10:02: Also die Aufweichung des Acht-Stunden-Tages ist was von Arbeitjewerseite als Flexibilisierung oft gefordert wird, wo Konservative und Liberale auch mit einsteigen.
00:10:13: Und da sind wir einfach der Meinung das Geisterdebatten – das ist der falsche Weg!
00:10:17: Denn selbst wenn man das macht kann man sich darauf einigen, dass man es nicht macht und das Arbeitszeitgesetz z.B.
00:10:25: schreddern, dann wird davon kein einziges Auto mehr verkauft.
00:10:29: unser Absatzproblem was wir in großen Teilen der Industrie im Export haben wird dadurch nicht gelöst.
00:10:36: Wir werden keine einzige Maschine mehr nach China liefern wenn wir mehr arbeiten an einem Tag.
00:10:42: Und auch wir werden nicht das neue Google oder das neue OpenAI erfinden indem wir bei der Zahngesundheit und beim Bürgergeld sparen.
00:10:51: Also das sind gerade die Debatten, die wir täglich führen jetzt mit großen Reformpaketen und um Gesundheit pflege.
00:10:56: thirty-four Punkte planen aber das sind eigentlich nicht die wirklich an die Ursachen des Ganzen gehen befinden uns im.
00:11:06: ich wollte nur darauf hinweisen bevor du da weiter gehst dass ist ja gleichzeitig so, dass wir als Gewerkschaft trotzdem auf diese Debatten reagieren müssen.
00:11:15: Weil sie eben einen Frontalangriff gegen das sind was in den letzten... Jetzt tu ich mich ehrlich gesagt schwer.
00:11:22: man muss ja fast sagen Das geht ja fast bis an die Zeit der Gründung der großen Gewerksamkeiten in Deutschland und des DGBs wo acht-Stunden-Tag dann erkämpft wurde, wo man den fünfstunden Tag erkämmt hat.
00:11:39: Dann in den siebziger Jahren was ja vielen zum Beispiel gar nicht klar ist das noch als kleine Randenotid die fünf Tage Woche zum Beispiel ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.
00:11:50: Das ist tatsächlich so, dass das gewerkschaftlich erkämpft wurde und es so ist, dass die Unternehmen sich daran erhalten aus dem Wissen heraus was sozusagen Tarifverträge vorschreiben uns jetzt da wo keine Tarif Verträge gelten.
00:12:03: Was passieren würde wenn sie das angreifen?
00:12:06: Aber das ist nicht so ,dass das von der Politik verboten wäre in der sechs Tage Woche zu bestreiten.
00:12:11: also des Sorgungs damals war ja samstags gehört Papa Mir ein klein Jung drauf und man samstag seine Familie sieht Egal, ob man eine Frau oder ein Mann ist heutzutage.
00:12:24: Das ist gewerkschaftlich erkämpft und das sind alles die Sachen, die jetzt zur Disposition stehen.
00:12:29: Und insofern wird darauf reagiert auch wenn du natürlich völlig zurecht sagst... ...das sind erstmal Geisterdebatten!
00:12:36: Genau ich sage ja gar nicht dass wir da nicht sozusagen gegen den Abbau und gegen die Angriffe kämpfen.
00:12:42: aber wir wissen auch und eigentlich müssen das die anderen auf verstehen und wir argumentieren dafür dass diese wirtschaftliche Stagnation, die wir seit vier Jahren jetzt inzwischen haben.
00:12:53: Dass das ganz andere Gründe hat und dass wir das mit den Maßnahmen nicht erreichen werden.
00:12:58: Und da wollen wir halt auch darüber reden wie geht es wirtschaftlich wieder nach vorne?
00:13:02: Wie können wir Industriearbeitsplätze sichern?
00:13:05: Aber ich möchte noch mal ein paar Worte sagen warum wir so viel über die Industrie reden.
00:13:09: denn es gibt immer wieder Kollegen und Kollegen, die zu Recht sagen Es gibt doch nicht nur die Industie Es gibt die These oder auch die Beobachtung, dass sich alternde Volkswirtschaften, also je industrialisierter sie waren und je mehr sie fortschreiten.
00:13:26: Dass der Industrieanteil immer weiter zurückgeht.
00:13:29: Und Deutschland ist da so ein bisschen eine europäische Ausnahme mit einem relativ hohen Industrieanteil.
00:13:35: Da muss man sich aber doch nochmal vor Augen führen, welche Bedeutung das bei uns hat?
00:13:40: Also wir haben in Baden-Württemberg drei führende Branchen Das sind alles Industriebranchen.
00:13:45: Das sind die, die nach Umsatz und Beschäftigung die größten sind.
00:13:49: Da kommt jeder drauf.
00:13:51: der Automobilbau das ist zweitens der Maschinen- und Anlagenbau.
00:13:55: also Deutschland als Ausrüster der Welt war immer so ein Schlagwort wie der Fabrik in der ganzen Welt läuft mit deutschen Maschienen nicht ganz aber so von der Idee her.
00:14:05: und als drittes die chemisch und pharmazeutische Industrie also alles rund um Kunststoff Rohöl, Medikamente.
00:14:13: Also was gibt es auch in Baden-Württemberg?
00:14:17: Lokaler konzentriert deswegen vielleicht nicht bei jedem auf dem Schirm aber ist tatsächlich nach Umsatz und Beschäftigung auch die drittstärkste Branche.
00:14:23: Und das ist eine der Kennenzahlen die man sich wenn man von Wirtschaft keine Ahnung hat und diese Kennenzahl sehen ich alle merken will ganz gut merken kann.
00:14:32: Denn diese drei Branchen bilden vom Export des Landes vierzig Prozent.
00:14:38: Bin mal zufällig drüber gestolpert Und das ist ganz praktisch, denn vierzig Prozent des Exports kommt aus diesen drei Top Branchen.
00:14:46: Das ist schon mal für drei Branchen ein ziemlich großer Anteil und mit den vierzig Prozenten können wir uns noch zwei andere Daten unserer Wirtschaft in Baden-Württemberg merken.
00:14:57: Vierzig Prozent sind auch insgesamt der Exportanteil der baden-württmbergischen Wirtschaft, also Anteil vom Bruttoinlandsprodukt von BIP.
00:15:05: Und das Dritte was ich auch sehr spannend finde war ja die Frage naja gibt es Industriearbeitsplätze und Export.
00:15:12: Was hat das mit uns allen zu tun, die wir da vielleicht nicht arbeiten oder nur mittelbar?
00:15:17: Fortzig Prozent aller Bruttolöhne in Baden-Württemberg, die ausgezahlt werden kommen aus der Industrie, nicht nur aus den drei Branchen sondern dann aus allen Industriebranchen.
00:15:27: aber vierzig Prozent ist der Exportanteil dieser drei Branches.
00:15:31: Vierzig Prozent ist überhaupt die Exportabhängigkeit des Landes und vierzig diesen Industrien, die sehr exportabhängig sind und das sind natürlich relativ hohe Gehälter.
00:15:44: Oft gut mitbestimmt tarifgebundene Gehäuter und das ist was wir die Primärverteilung nennen.
00:15:50: also da wird einfach Geld was erwirtschaftet wird in die Breite verteilt als Löhne- und Gehälter.
00:15:59: Und jetzt gibt es ein paar Leute die sagen dass das deutsche Industriemodell oder deutsche Wirtschaftsmodell einfach so nicht mehr funktioniert.
00:16:08: Und Sie sagen ganz grob, es hätte im Grunde drei Feiler gehabt.
00:16:13: Also als erstes billige Energie nämlich Gas aus Russland.
00:16:17: dann als zweites Absatz vor allem Auto-Absatz aber auch Maschinen nach China die als unser größter Absatzmarkt gerade in der Automobilindustrie.
00:16:27: und das dritte für unsere Sicherheit also gerade militärische Abschreckung muss man ja eigentlich sagen werden die Amerikaner aufgekommen.
00:16:36: Das ist holzschnittartig gebe ich zu.
00:16:39: Es ist aber auch nicht ganz falsch.
00:16:40: Was mir aber wichtig ist, ist dass es auch nicht das ganze Bild ist.
00:16:46: Es ist so vollkommen zurecht, dass wir günstige Energieverträge mit Russland hatten und das wäre da einfach eine ... wie sagt man?
00:17:01: Hilf mir mal Peter!
00:17:03: unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben, um sozusagen uns von externen, also ausländischen Energiequellen unabhängiger zu machen.
00:17:11: Für Podokoll?
00:17:11: Er hat das Wort selber gefunden und ich habe nichts tun müssen.
00:17:16: Genau!
00:17:16: Also da haben wir tatsächlich lange auch geschlafen und sind nicht sozusagen unabhängig aufgestellt.
00:17:24: Das zweite ist tatsächlich die Absatzmärkte in Zeiten wo China zunehmend zum Konkurrenten wird Wettbewerbsfähig werden in Produktqualität und auch in Innovationen, in den Produkten.
00:17:40: Da ist es ja gar nicht so dass wir irgendwie schlechter geworden sind sondern andere haben halt gleichgezogen aufgeholt überholt.
00:17:46: vielleicht wird der Absatz schwieriger aber sind natürlich auch massive Subventionen Auch in den USA auch in China als die größten Absatzmärkte für uns denen exportschwieriger machen.
00:17:58: Und das dritte hat natürlich auch seine punkte Ja, nicht nur in der ersten oder spätestens nach der ersten Legislatur von Donald Trump in den USA.
00:18:09: Wir auf dieses transatlantische Verhältnis über die NATO und die Absicherung des europäischen Friedens durch ja, die Drohungen der Amerikaner kommt über den Teich und rettet uns... wir uns nicht mehr drauf verlassen und es jetzt deutlich höhere Investitionen in Rüstung und Militär
00:18:27: gibt.".
00:18:28: Aber ich möchte einen vierten Punkt dazu sagen und das ist eben der Punkt, der in dieser Kurz-Holstein-Erklärung außer Acht gelassen wird.
00:18:38: Und das ist dass wir auch einfach über dreißig Jahre substanziell zu wenig öffentlich investiert haben.
00:18:44: Da ist Deutschland auch in Europa tatsächlich der Ausreiser.
00:18:48: Das ist das was die Leute wo ich es erzähle ob das vor Gewerkschaft dann oder sonst wo außerhalb der Gewerkschaftswelt immer überrascht.
00:18:57: Wir sind Das, ja ein sichem Land in Europa mit dem größten Wohlstand.
00:19:02: Aber wir haben trotzdem immer substanziell gemessen an der Wirtschaftskraft weniger prozentual investiert und das über dreißig Jahre hinweg als die allermeisten europäischen Länder.
00:19:11: Für die Leute, die jetzt nur zuhören und das Ganze nicht sehen also alle.
00:19:16: Gergi hat eigentlich eine schöne Staatsinvestitionen im Prozent des BIP-Grafik mitgebracht wo er verschiedene Länder aufgezählt hat.
00:19:26: Also Frankreich, Italien, Niederlande, wo man also sehr schön sehen kann... Das geht von aber von fünfundneinzig bis zwanzig dreiundzwanzig und da hat man bei allen konjunkturellen Verschiebungen und Veränderungen eigentlich das durchgängige Bild, dass Deutschland den Bodensatz bildet.
00:19:47: Also das ist wirklich eine ganz kurze Ausnahme von den Corona-Jahren Wo zwei europäische Länder, das ist glaube ich Italien und die Niederlande mal kurzzeitig weniger ihres BIPs ausgeben.
00:20:01: Aber ansonsten ist es wirklich durchgängig.
00:20:05: der Bodensatz an Staatsinvestitionen?
00:20:09: Genau um das in Relation zu setzen als andere geben zwei bis drei Mal mehr im Vergleich zur Wirtschaftskraft aus.
00:20:16: Und nach dreißig Jahren geht das auch an die Substanz Und jetzt haben wir fünfzehn Jahre lang gegen die Schuldenbremse gekämpft.
00:20:25: Wir waren gegen ihre Einführung als Gewerkschaften aus guten Gründen, wir haben immer gesagt man muss in Zukunft investieren es braucht Investition.
00:20:34: auch sagen wir auch schon nicht seit gestern sondern auch schon seit ein paar Jahren Investition in ja die Modernisierung der Industrie in erneuerbare Energien in Digitalisierung you name it.
00:20:46: und jetzt hat sich ein bisschen was getan.
00:20:48: kleiner Erfolg für uns immer noch nicht ganz unsere Wunschvorstellungen.
00:20:52: Aber das hat natürlich auch mit diesem Spar-Diskurs zu tun und das führt eben jetzt dazu, dass wir oft den Eindruck haben – nicht wie als Gewerkschafter, sondern wie als Bürger oder Einwohner -, dass das Leben gar nicht mehr so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.
00:21:12: Wir kennen also der Rückstand der öffentlichen Verwaltung bei der Digitalisierung.
00:21:17: Jetzt ist irgendwo viel, glaube ich eine Hundesteuerzentral als UZG-Prozess erreichbar online.
00:21:25: Aber wir merken es an anderen Stellen viel deutlicher, dass da ganz große Digitalisierungsrückstände sind oder das auch einfach Ämter und Verwaltungsstrukturen nicht schnell genug funktionieren, dass Genehmigungen nicht schnell noch kommen.
00:21:41: In den anderen Bereichen des Bildungssystems gerade in Baden-Württemberg ist erschreckend belecht wenn man sich anguckt, wie viele Menschen die Schule verlassen ohne Berufsqualifikation.
00:21:54: Wir hatten hier im Haus eine spannende KI-Konferenz und da ging es unter anderem darum, dass eine der gewerkschaftlichen Followerungen, wo auch die Arbeitgeber gesagt haben ja, wichtig, wichtig das die Arbeitnehmer alle geschult werden in Umgang mit künstlicher Intelligenz in den Zusammenhang setzt.
00:22:11: zu dem Panorama, was du hier zeichnest.
00:22:14: Gerade im Bildungsbereich wo man sagen muss das ist ein paar Jahre her dass die Lehrer mal sowas wie Dienst-Email-Adressen bekommen haben oder Dienstrechner.
00:22:21: und jetzt haben wir große Demonstration wenn der Podcast rauskommt, sogar genau an dem Tag in Esslingen.
00:22:30: Kurz danach werden hier Demonstrationen in Stuttgart haben unter diesem Motto Kommunen am Limit weil die Kommunen immerhin als einer der größten Arbeitgeber in Baden-Württemberg nicht mal mehr das Geld haben für notwendigste Projekte.
00:22:45: und dann kann man sich schon fragen auf welcher Sowohl infrastrukturellen Grundlage wie monetären Grundlage soll eigentlich diese Schulungsprogramme und so weiter stattfinden, die allseitig gewünscht und gefordert werden.
00:23:00: Also da ist einiges an Funktionalität, die eher gewünschter als vorhanden ist.
00:23:09: Genau das zieht sich ja durch alle Bereiche.
00:23:11: du hast jetzt die Kommunen angesprochen.
00:23:12: also in der Energiewende haben wir es auch verschlafen können viel weiter sein viel unabhängiger sein zu günstigen Preisen Strom erzeugen, anstatt jetzt teure Gaskraftwerke noch mal zu subventionieren für die nächsten Jahre im öffentlichen Verkehr.
00:23:30: Ich glaube das meistertierte Thema will ich gar nicht in einen großen Rage einsteigen aber es ist natürlich auch ein Alltag ob man privat oder beruflich unterwegs ist natürlich schwierig macht und das ist eben die Folge von dreißig Jahren substanziell zu wenig Investition Und das insgesamt bringt das halt auch Schwierigkeiten, um Innovationen wie es immer so schön heißt in Deutschland voranzubringen.
00:23:56: Das ist
00:23:57: nicht der
00:23:57: moderne Start, nicht das nächste Silicon Valley auf dieser Infrastruktur.
00:24:04: Man kann natürlich mit Kolleginnen und Kollegen von der EVOG geben und muss hier tatsächlich kein deutsche Bahnbashing machen.
00:24:10: aber man kann ja eine Sache hervorheben weil wenn ich das richtig im Hinterkopf habe Sowohl die größte Projektverschreibung global, die jemals ein Staat angekündigt hat als auch praktisch die langfristigste Ankündigung.
00:24:24: Nämlich der Deutschland-Takt der deutschen Bahn also diese Abstimmung aller Pläne dass das Bahnsystem sinnvoll ineinander greift was Umstieg und so weiter angeht.
00:24:36: da ist ja geplant das Deutschland weit aufeinander abzustimmen.
00:24:39: hast du mitbekommen auf welches Jahr das verschoben wurde?
00:24:42: Nein.
00:24:44: Die Angaben sind jetzt ohne Gewehr, die Größenordnung stimmt plus oder minus fünf Jahre.
00:24:49: Das war eigentlich angekündigt für ich glaube im Jahr und in einer Pressekonferenz wurde gesagt, das kriegen Sie
00:24:54: nicht hin!
00:24:55: Und sie gehen davon aus dass der Deutschland-Takt realisiert wird, zweitausendfünfundsiebzig.
00:25:01: also man hat jetzt ein halbes Jahrhundert Planungszeit sich sowieso schon mal gegeben, dafür diese Taktung der Bahnen aufeinander abzustimmen.
00:25:15: Das ist beachtlich und zeigt natürlich um es jetzt mal wirklich ernsthaft zu wenden Was für so eine riesige Infrastruktur eigentlich so eine Bahnstruktur ist, was eigentlich an Geld und an Ressourcen notwendig ist um sinnvolle Bahnstrukturen aufzubauen.
00:25:33: Und was offensichtlich an Defiziten der Finanzierung ist.
00:25:39: wenn das der Zweck wäre diese Infrastruktur sozusagen tragt für echt Ja, für eine Alternative vielleicht sogar zum Straßenverkehr aufzubauen.
00:25:52: Man gewinnt den Eindruck das ist vielleicht nicht die Zwecksetzung der deutschen Bahn.
00:25:58: Das habe ich gar nicht so mitbekommen weil es natürlich krass... Ich dachte man meinte sowas wie der Anschluss vom Gotthaus-Basis-Tunnel in der Reinschiene oder so.
00:26:05: gerade so ein Baden-Württembergischer Fokus immer für den Güterverkehr, aber lässt auch auf sich warten.
00:26:11: Ich glaube da haben wir auch irgendwelche Verabredungen mit Schweiz und Italien die wir einfach ja nicht schaffen und deshalb Ja, auch nicht wieder.
00:26:21: Also jetzt nicht kurzfristig aus dem Dreck rauskommen würde ich mal sagen.
00:26:25: Der Stuck
00:26:26: an den zwanzig ist ja auch wieder relativ sangam klanglos und ich glaube was sind es jetzt fünf Jahre wieder nach hinten geschoben worden?
00:26:33: Das ist ja mal Ende diesen Jahres.
00:26:40: Das finde ich ehrlich gesagt auch ganz schön beeindruckend.
00:26:42: nochmal um die eigentlich mal angekündigte Bauzeit das ganze zu verlängern und dass so in so einer Pressekonferenz eher nebenbei.
00:26:50: aber gut jetzt du hast ja schon gleich, das hört nicht auf.
00:26:53: Aber du wolltest noch ein regionales Beispiel.
00:26:55: da haben wir es.
00:26:56: Ja das ist noch regional.
00:26:58: als Stuttgarter muss ich sagen oder?
00:27:01: Wundert man sich!
00:27:02: Man hat's hingenommen, man lebt damit.
00:27:04: Ist so mein Gefühl.
00:27:06: Ich hätte das auch gar nicht geglaubt, wenn jetzt Ende des Jahres tatsächlich diese Tunnelstruktur weggegangen wäre und ich direkt von der S-Bahn zu den Zügen hätte laufen können.
00:27:14: Also man gewöhnt sich ja auch dran...
00:27:16: Abgefahren in die
00:27:17: Idee?
00:27:17: Ja genau!
00:27:18: Wenn man umsteigt so wissen noch schön hab' ich nochmal eine Tausend Fünfhundert Schritte mehr.
00:27:21: Das tut mir gut in meinem sitzenden Alltag.
00:27:24: Also gut, soweit also zur Finanzierung der Infrastruktur ist...
00:27:30: Das war der Blick im Grunde nach hinten.
00:27:33: Wir haben jetzt duber gesprochen.
00:27:34: was Was macht die Wirtschaft aus?
00:27:36: Warum ist die Industrie wichtig, wie ist es mit dem Export.
00:27:40: Woher kommen die ganzen Rückstände?
00:27:42: und jetzt will ich den Schwenken in die andere Richtung machen.
00:27:46: ja was wollen wir denn und was wäre zu tun?
00:27:49: als erstes gehen wir da auf eine die größere Ebene alles was Handel Makro Ökonomie angeht.
00:27:59: Und da gibt es eigentlich drei Maßnahmen, die wir favorisieren oder drei Ansätze muss man sagen.
00:28:03: Es sind nicht nur konkrete Maßnahmen aber drei Ansätzen.
00:28:07: also in der Zeit der D-Globalisierung eines dieser berühmten drei bis vier Ds Die D-globalisationen Also wenn Märkte sich abschotten oder abgeschottet werden durch Zollpolitik durch Einfuhrkontrollen Wenn manche Länder Grenzen hochziehen für Menschen und für Waren dann ist es ein guter Ansatz, auch mehr in Freihandelsabkommen zu gehen.
00:28:34: Also das heißt solche Freihandelabkommen die uns Zugang zu anderen Absatzmärkten ermöglichen wie das Merkvisur-Abkommen mit Südamerika oder die Abkommen mit Indien und Australien, die auf dem Weg sind, sind der richtige Weg um uns auch im Export weniger abhängig von wenigen großen Absatzmerken zu machen.
00:28:56: Und jetzt waren wir Auch in den letzten Jahren ging über Freihandelsabkommen auch mal sehr kritisch, wer sich noch erinnert.
00:29:02: Antitip und Oncita Stichwort Chlorhühnchen, wer sie erinnerte.
00:29:08: Aber es ist natürlich so dass wir grundsätzlich den Vorteil von Freihandel sehen Dass wir aber auch immer Bedingungen daran stellen.
00:29:15: Und das war damals genau die Debatte da war's unausgewogen.
00:29:18: Deswegen haben sich Gewerkschaften oder viele andere eine breite Bewegung eigentlich dagegen Positioniert.
00:29:25: Das ist eben Freihande positiv ist, aber nicht um jeden Preis und nicht auf dem Rücken der Beschäftigten unter Arbeitsbedingungen oder des Gesundheitsschutzes.
00:29:34: Aber das ist der erste Ansatz!
00:29:36: Der zweite Ansatz hatten wir eben ausführlich – mache ich jetzt ein bisschen kürzer – mehr öffentliche Investitionen.
00:29:43: nur, um es nochmal in Erinnerung zu rufen Wir haben das für Baden-Württemberg mal beziffern lassen vor mittlerweile glaube ich zwei Jahren In unserer Studie.
00:29:52: Exzellenz kommt nicht von alleine.
00:29:55: Dazu gibt es auch eine exzellente Podcast-Folge, auch mit dir geredet.
00:30:00: Stimmt
00:30:01: muss ich sagen.
00:30:02: Hundertfünfundsechzig Milliarden insgesamt ist der Investitionsbedarf und das sind sechzehn Milliarden im Jahr auf zehn Jahre.
00:30:10: Und dann kann man eben
00:30:11: in
00:30:12: Schulinfrastruktur investieren, in die Straßen, in digitale Netze, in Zukunftstechnologien all das genau.
00:30:19: Die alte Folge ist wahrscheinlich immer noch halbwegs aktuell.
00:30:22: so richtig viel hat sich in der Landesfinanzpolitik da nicht getan außer so ein bisschen an der Konjunkturkomponente der Schuldenbremse.
00:30:31: Und das Dritte ist, dass Außenhandel für Deutschland oder für Baden-Württemberg – der muss ja gar nicht außerhalb von Europa stattfinden!
00:30:43: Also das ist der dritte Punkt was wir sagen verstärkte europäische Integration und Export von Deutschland kann auch Absatz nach Italien, nach Frankreich oder nach Bulgarien sein.
00:30:54: also da liegt auch eine Chance indem wir den europäischen Binnenhandel stärken.
00:31:00: Das hat natürlich etwas mit auch Lebensverhältnissen und mit Löhnen in den, Wohlstand in den Ländern zu tun, in die wir vielleicht mehr exportieren wollen.
00:31:11: Und das hat auch was damit zu tun dass die Binnennachfrage gestärkt wird also dass alle die Produkte kaufen und die investieren ja mehr Geld haben.
00:31:23: Und das ist das Dritte, was ich sozusagen auf der Handelspolitischen Ebene vorschlagen möchte.
00:31:35: Du hast in dem Sinne ja schon mal jetzt in drei Punkten dargelegt, was die Industriepolitik des DGBs umfasst – was die industriepolitischen Vorschläge des DGBs umfaßt?
00:31:51: Das lässt sich aber noch einmal ausdifferenzieren, nenn ich es mal Das heißt, die gezielten Investitionen, die getätigt werden sollen.
00:32:01: Die hast du jetzt erstmal in dem Beispiel bezogen auf staatliche Investition, die stattfinden sollen.
00:32:08: Es gibt ja allerdings auch... Die Forderung des DGBs oder die Vision, wenn mir da unsicherhaft man das Forderungen nennen kann.
00:32:17: Weil die ja nicht unbedingt jetzt an die Politik adressiert ist sondern wir haben so diese Stichwort Local Content Wehrschöpfung was ja nicht nur vom DGB wie soll ich sagen als abstrakte Sache im Raum steht.
00:32:31: Sondern um mal auf eine andere Podcastfolge zu verweisen wo man das nachhören kann der Michael Kocken der erste Bevollmächtigte der IG Metall Göttingen, Geißlingen hat ja schon so Vielsteilkonferenzen durchgeführt wo Arbeitgeber aber vor allem eben auch Arbeitnehmer und Politik zusammen gebracht werden um zu schauen wie Unternehmen eigentlich innerhalb der Region zwischen Produkte praktisch verarbeitete Produkte bei anderen Unternehmen aus der Region beziehen können umso die Wertschöpfungskette in der Region zu stärken.
00:33:05: Das ist ja auch noch ein weiterer Bausteinen, sage ich mal von der Vorstellung des DGBs wie Industriepolitik in Zukunft auszusehen
00:33:14: hat.
00:33:16: Genau das ist sozusagen auch eine andere Säule.
00:33:18: Ich habe einmal versucht Industrie-Politik weil es immer groß und abstrakt klingt so ein bisschen zu füllen Und hab mich dann mal auf fünf Säulen beschränkt.
00:33:26: kann man sich ja noch drei vier ergänzen Aber irgendwo muss man ja mal einen Punkt machen wenn's noch handhabbar sein soll.
00:33:32: aber lokal Content Wertschöpfung das meint Ja genau dass wertschöpfungen Bei uns passiert, dass man vielleicht auch Vorprodukte aus der Nachbarschaft bezieht.
00:33:41: Das ist ja glaube ich dieser Filztal-Ansatz.
00:33:44: Warum muss mein Zulieferer – da meine ich mich total abhängig von Lieferketten und internationalen Konflikten auf den See wegen?
00:33:53: Ob das nun die Straße vom Hormus oder woanders wäre aber warum ist nur mein ZULIEFERER nicht einfach um die Ecke im nächsten Tal?
00:34:00: wenn die Fähigkeit da ist dann wird daraus ein lokales Wertschöpfungsnetzwerk.
00:34:06: Und diese Local Content Forderung, das ist etwas was wir seit auch ein paar Jahren schon fordern.
00:34:11: Da gibt es tatsächlich auf europäischer Ebene ein bisschen Bewegungen.
00:34:14: also durch diesen Rahmenrichtigen den Industrial Accelerator Act, IAA.
00:34:23: Wie er heißt ist wirklich das Ziel auf europäischen Ebene zwanzig Prozent industrielle Wertschöpfung in Europa langfristig zu erhalten und dass wer Produkte absetzen will.
00:34:37: Fünfzig Prozent der Wertschöpfung in Europa auch erzeugen muss, d.h.
00:34:42: Vorprodukte teilen können auch voran woanders kommen.
00:34:44: aber fünfzig Prozent die Wertschüpfung soll in Europa stattfinden und das ist ein Ansatz den wir sehr gut heißen, der dann aber auch halt durchdeklimiert werden muss und nicht zu viele Ausnahmen, nicht zu durchlöchert.
00:34:59: also es muss schon für alle gelten was sonst haben wir den Effekt eben nicht.
00:35:03: Dass diese Säulen miteinander in Zusammenhang stehen, kann man daran ja jetzt mal ganz gut durch exerzieren.
00:35:08: Weil die gezielten Investitionen einer der weiteren Säule, die du da identifizierst, die hatten wir gerade schon und hängt natürlich unmittelbar damit zusammen, dass es dann auch darum gehen soll dort zu investieren.
00:35:19: Ah!
00:35:19: Natürlich gibt es überhaupt eine Infrastruktur, die Unternehmen sich überhaupt ansiedeln.
00:35:24: also das beginnt beim Internetzugang und vielleicht auch so was wie einem Güterverkehr, der funktioniert führt uns dann aber, weil wir über die Investition schon viel geredet haben zu der dritten Säule der Flächenpolitik und der Bevorratung, die ich da gerne mit aufnehmen würde.
00:35:41: Weil das zum Beispiel im Pilzteil auch eine große Rolle spielt, weil wer sich da nicht auskennt... Aber ich denke mal, es ist mein Arbeitswelt-Podcast der DGB Regie und Stuttgart.
00:35:52: Also Göppingen wird schon begriff sein.
00:35:54: Und da hat ja jetzt ein großer Automobilzulieferer Allgeier Insolvenz angemeldet... ...und was man dabei manchmal ganz gerne vergisst ist das eine ist dass das Unternehmen Insolvent anmeldet, das andere ist dass diese riesige Werkshallen von Allgeiern natürlich nicht einfach verschwinden sondern die stehen da jetzt erstmal.
00:36:14: Und jetzt ist natürlich die große Frage, was kommt da rein?
00:36:19: Kann man da sozusagen als Kommune mitbestimmen.
00:36:24: Bestimmte Sachen vielleicht auch verhindern.
00:36:26: Ein großer Klassiker ist natürlich wenn sich Unternehmen ansiedeln dass erst mal Logistikunternehmen da reingehen.
00:36:32: Das heißt das sind dann wenig Arbeitsplätze und viel Verkehr.
00:36:37: Die andere Idee ist eben was ist momentan an Local Content Wertschöpfung eigentlich noch?
00:36:44: Was sind noch blind Stellen?
00:36:45: Wo kann man eventuell noch was in der Region herstellen, was sich in die Produkte und die Großindustrie, die es hier schon gibt, in irgendeiner Weise einfügt.
00:36:55: Also das
00:36:56: als
00:36:57: einer der Punkte, was man unter Flächenpolitik verstehen kann.
00:37:00: Ja sehr guter Punkt!
00:37:03: Da hast du sozusagen die kommunale Problematik angesprochen oder die kommunal Rolle.
00:37:07: Die Fläche ist dann frei keine Industrieproduktion mehr und gehört aber in der Regel noch dem Unternehmen, was dann entweder weggezogen oder in der Insolvenz ist.
00:37:18: Und da ist die Frage wer hat denn den Daumen drauf?
00:37:19: Wer kann gestalten, was da passiert?
00:37:21: In der Regel der Eigentümer.
00:37:24: Natürlich haben wir auch den Konflikt wo wir als Gewerkschaften glaube ich eine wichtige Rolle haben.
00:37:30: Wohnraum gibt es auch zu wenig.
00:37:31: Aber das ist auch kein Zukunftsmodell aus jeder Industriefläche Wohnflächen zu machen.
00:37:36: Also das ist, weil ich eben nicht alles an jeder Stelle machen kann.
00:37:41: Die anderen wollen dann eben den Industriebetrieb nicht direkt neben ihrem Haus oder neben der Wohnung haben.
00:37:47: aber dass es eine Kommune kann dann eine Rolle haben.
00:37:50: und ich habe ein schönes Beispiel aus dem Saarland.
00:37:52: im Saarlands macht auch das Land so etwas.
00:37:54: also im Saaranland hat das Land ne Gesellschaft die aktiv Flächen ankauft große Industrieflächen und sie selbst in Eigenregie sogar ertüchtigt, dass sich wer anders ansiedeln muss.
00:38:05: Weil in der Regel ist so eine Halle dann ja auch vielleicht nicht die Top-Bodernste, die muss vielleicht platt gemacht werden, vielleicht neu gebaut.
00:38:11: Und das Saarland hat gesagt naja wir sind so abhängig von diesen Transformationen Von Wandel, von Kohle Stahl Industrie Automobil Dass wir da als Land aktiv reingehen.
00:38:21: und das ist was was man sich im Reichen waren Württemberg natürlich auch vorstellen kann, dass das land gerade für große Flächen für große Ansiedlungen, vielleicht auch die aus dem Ausland kommen sind eine eigene Rolle findet.
00:38:36: Aber es gibt noch andere Sachen wie man Zukunftsindustrie stärken kann.
00:38:41: ein ganz wichtiges Thema ist dabei immer grüne Leitmärkte und klimaneutrale Grundstoffe.
00:38:46: das habe ich mal so zusammengefasst.
00:38:48: was meint das?
00:38:49: Das meint dass wenn wir Produkte also Klimaneutral herstellen oder sie klimaneutral betrieben werden, also ob das jetzt Autos sind oder was anderes.
00:39:04: Da braucht es einen Markt und in der Regel sind die Produkte zu Beginn erstmal teurer.
00:39:09: Und diese Märkte zu entwickeln durch Förderung, durch eine Infrastruktur zum Beispiel fürs Elektroauto oder für ein Elektro-Lkw oder Meintwegen will ich nicht ins Detail gehen aber auch eine Wasserstofflkw, der bräuchte auch eine Infrastruktur.
00:39:24: Also ein Markt muss sich entwickeln können und er braucht auch gewisse Voraussetzungen.
00:39:28: Da gibt es ja
00:39:29: nicht
00:39:29: nur die Autoindustrie, die einem dann natürlich in Wittenberg das Erste einfällt.
00:39:33: Wir haben auch mitten im Wittenbergen den Landkreisen, in denen ich zuständig bin.
00:39:36: Das kennst du bestimmt auch mehr fällt gerade der Name nicht ein.
00:39:40: Einen Hersteller, der tatsächlich aus Obst chemische Reinigungsmittel herstellt Kennst du gar nicht, habe ich gerade dein Gesicht angesehen.
00:39:53: Wir hatten damals von der Klimaschutzagentur Esslingen wo wir im Beirat sitzen als DGB und ich in Persona.
00:40:01: für den DGB treffen wir uns immer wenn diese Beiratssitzung ist in verschiedenen Unternehmen oder sonstigen Partnern die da eben zum Thema Klimaschutz im Landkreis arbeiten und eins davon war eben diese Firma, diesen Familienunternehmen Und die haben vor, schieß mich tot.
00:40:21: Das ist jetzt wieder mehr geraten als gewusst.
00:40:23: zehn Jahren, fünfzehn Jahre umgestellt und inzwischen ist es so dass sie also die Reinigungsmittel, die Sie herstellen komplett auf nachwachsende Ressourcen umgestellt haben.
00:40:37: Also da gibt's
00:40:38: wirklich... Das wäre so.
00:40:39: Bereich Bioökonomie.
00:40:40: ein anderer Bereich der einfach noch ein bisschen Regulatorischen Fortschrittbrauch, also Gesetzgebung und Zulassungsverfahren ist ein Kreislaufwirtschaft.
00:40:49: Wenn ich Produkte wieder auseinander nehme, Neues draus mache oder im simpelsten Fall etwas Schredder- und neu zusammenklebe und aus Kunststoff eine Kiste oder einen Teppich mach, aber das braucht ganz viel Regulatorik und Zugang gerade wenn es um Lebensmittelbereich geht sind das auch vielleicht Haftungsfragen.
00:41:10: Genau, da muss der Staat den Rahmen setzen damit diese Märkte sich entwickeln können.
00:41:14: und klimaneutrale Grundstoffe also da denke ich immer als erstes an Stahl- und Zement.
00:41:20: Grüner Stahl kann es geben, den gibt es auch aber er ist auch ein Stück teurer und daher kann man natürlich auch der Staat als Nachfrage in seinen Bauprojekten werden.
00:41:31: Schienen gebaut werden hoffentlich
00:41:33: mehr
00:41:33: oder wenn eben Häuser gebaut werden Also jetzt nicht nur Wohnhäuser, also alles was irgendwie aus Beton ist hat meist auch Stahl mit drin.
00:41:42: Das ist auch etwas wo der Staat als Abnehmer und Kernnachfrager eben so ein Leitmarkt fördern kann.
00:41:50: Und das andere ist ganz großes Beispiel weil es genau wie Stahl klimarelevant ist, ist der klimafreundliche Zement, weil da einfach Unmengen an CO-Zwei in der Produktion natürlich entstehen, nicht nur durchs Heizen Und da brauchst du eben auch eine Abnahme durch den Staat.
00:42:09: Letzter Punkt in der Reihe ist, noch wie man Schlüsselindustrie schützt also wirklich gegen unfairen Wettbewerb von auswärts sag ich mal.
00:42:19: und da gibt es zwei Sachen die am Insinnen kommen können.
00:42:23: erstmal das sowas wie ein CO-Zweigrenzausgleichse Mechanismus.
00:42:28: bei der Uhr heißt das dann C-Bam.
00:42:33: Das ist ein Produkt, wenn es über die Grenze in die EU kommen soll.
00:42:39: Als Import ist man nochmal angucken und nachbewertet und sagt naja so grün ist das ja gar nicht dann kriegt das einen Preis Aufschlag weil wir eben in Europa einen CO²-Preis haben der in der Produktion gilt und nicht in allen Weltregionen.
00:42:52: und um da wieder eine Fairness herzustellen müssen wir an einer Grenze drauf gucken.
00:42:56: Ich komme
00:42:57: eine der jüngsten Entwicklungen drei oder vier Tagen ist doch jetzt der Zoll in Kraft getreten, im Zusammenhang mit Temu das chinesische... Importe nach Deutschland auch unter hundert Euro bezollt werden.
00:43:17: Das war wohl bisher nicht der Fall.
00:43:19: und man jetzt ein Euro irgendwas, aber die Zahl ist schon wieder... Die Größenordnung stimmt, aber aufs eine oder zwei Euro waren weiß ich nicht mehr pro Wagengattung zollgezahlt werden muss.
00:43:30: Und dann war nämlich das Beispiel was da im Deutschlandfunk kam wenn man jetzt also auf Timo sozusagen fünf T-Shirts bestellt, muss man einmal Zoll zahlen.
00:43:37: ein T-Shirt bestellt, eine Hose und socken muss man dreimal Zoll bezahlen.
00:43:42: Und das ist jetzt beschlossen – ob es auch schon Kraft getreten ist, weiß ich gerade nicht – aber das wird damit begründet.
00:43:50: Das sind das Wettbewerbsverzerrend was TMooder veranstaltet.
00:43:55: Das ist innerhalb von kurzester Zeit einer der erfolgreichsten Internetfachhausplattformen geworden die es so gibt Und was eben auch mit den Gesundheits- und Umweltproblemen der Plattform begründet wird, weil da bisher rechtlich ein bisschen unklar ist ob Temu dazu in Rechenschaft gezogen werden kann.
00:44:18: Weil die natürlich sagen wir verkaufen, wir stellen die Sachen gar nicht her aber letztens ja sonst kleiner.
00:44:24: das Skandal war dass Ich habe es von so fünfzig Produkten getestet, wo dann knapp vierzig als mangelhaft eingestuft wurden.
00:44:35: Was verschiedene Verunreinigungen angeht unter anderem auch Kinderspielzeugen.
00:44:41: Genau so, ich hab jetzt immer dieses CE-Kennzeichen irgendwie geprüft.
00:44:44: Das kann jeder drauf drucken weil so schwer ist das jetzt optisch nicht.
00:44:48: aber das heißt noch lange nicht dass es wirklich dem was wir zum Verbraucherschutz oder zum Umweltschutz etabliert haben in Europa auf einem richtig guten Niveau muss man ja sagen im Vergleich zur anderen Weltregion dass das auch eingehalten ist und dagegen muss man sich auch schützen.
00:45:02: da gegen muss man auch die Umwelt und alle Verbraucher auch schützen.
00:45:05: um die gehts daher genau.
00:45:09: weitere Maßnahme, also dass wer in Europa was verkaufen will.
00:45:14: Wir haben schon Local Content aber das auch in Europa investiert wird und dann kommen wir vielleicht wenn wir da so ein paar Maßnahmen uns rauspicken und da vielleicht einfach mal anfangen sie politisch umzusetzen.
00:45:27: Dann können wir vielleicht auch wieder eine Welt und eine Wirtschaft wo wir über Zukunftsindustrie reden wie wir es auch schon einmal in unserer CleanTech-Studie gemacht haben über Kreislaufwirtschaft, über nachhaltige Mobilität, über Wasserwirtschaft.
00:45:42: Über erneuerbare Energien und Speicherlösungen als dass wir dann über diese Scheindebatten vom Anfang der Folge reden.
00:45:50: Ja Gerry das wirkt für mich nach einem runden Schuh.
00:45:55: am Ende gibt es ja die gute Tradition dieses Podcasts.
00:45:57: gibt's noch etwas was ich dich jetzt gar nicht gefragt habe was du jetzt noch gar nicht gesagt hast wo du sagst das möchtest du zum ende nochmal klarstellen nochmal herausstellen?
00:46:08: Ich würde einfach mit dem enden, was sonst auf meiner letzten Foliestunde wenn ihr in Esslingen dabei gewesen wird und zwar das klingt vielleicht ein bisschen plakativ aber es ist total ernst gemeint.
00:46:23: Die besten Lösungen entstehen im Dialog und gemeinsam erreichen wir mehr Stehler drauf weil das ist unser gewerkschaftlicher Ansatz.
00:46:30: also erstens wir tun uns natürlich zusammen für unsere Interessen bieten auch immer den Dialog an und wir fordern ihn auch ein, übernämlich die richtigen Lösungen in Krisen.
00:46:41: Anstatt irgendwelche Scheindebatten zu führen ist nur die Frage ob sich gerade jemand mit uns an den Tisch setzt und wie wir da Druck aufbauen können.
00:46:49: aber das ist der Ansatz.
00:46:51: Wir haben Ideen Auch das wollten wir ja aufzeigen!
00:46:54: Wir haben ideen wie es besser gehen kann Und wir wollen die Umsetzung diskutieren und nicht Scheindeatten.
00:47:04: Geri, vielen Dank für diese Einblicke in die Industriepolitik und die industriepolitischen Vorschläge des DGBs.
00:47:11: Und danke, dass du es gleich zweimal gemacht hast!
00:47:14: Sehr gerne!
00:47:26: Geh mal wieder!
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